In Ausflug, Berlin, Unterhaltung
Wo Keuchen zum guten Ton gehört.

3. September 2016, Samstag morgen. Das köstliche Frühstück war soeben verschlungen und ich griff zu meiner Morgenzeitung. Samstags muss es unbedingt die Berliner Morgenpost sein, weil meine geliebte Lebensgefährtin aus schöner Gewohnheit den Immobilienteil intensiv studieren möchte. So isses eben. Nach Lektüre des Wirtschaftsteils und der mehr oder weniger interessanten Sportnachrichten (Bundesliga hat Pause), fiel mir ein Veranstaltungshinweis auf. Unter der aufmerksamkeitsstarken Headline „Der Mops ist kein Couch-Potato“, gab es einen Hinweis auf das 7. internationale Mopstreffen in Berlin. Das macht neugierig! Als Höhepunkt angekündigt: ein 50 Meter Mopsrennen! Da ich rennende Möpse nur vom Strand kenne, wenn der heiße Sand ihre Besitzerinnen zu einem Spurt zwingt, wollte ich mir das Spektakel nicht entgehen lassen. Was kann man an einem sonnigen Samstag schöneres tun, als sich einen Wettkampf mit Möpsen anzusehen?

Um dem Motto bei diesem Treffen den richtigen Rahmen zu verleihen, luden wir noch eine Freundin ein und machten uns zu dritt auf den Weg nach Marienfelde, in die Eisnerstraße 54. Meine Vermutung dort auf ein paar freakige Hundenarren und deren vierbeinige Möpse in einer Einöde zu treffen, wurde schon bei der Parkplatzsuche widerlegt. Bestätigt wurde der falsche Eindruck vollendst, als wir nach langem Fußmarsch den Eingang zu Gesicht bekamen. Das heißt, den Eingang konnten wir noch garnicht sehen, die lange Schlange davor ließ nur vermuten, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Die Temperatur kratzte an der 28 Grad-Grenze und es kamen langsam Zweifel auf, ob wir das Unternehmen nicht abbrechen wollen. Aber umgeben von so vielen Möpsen, die all brav hechelnd ebenfalls der Hitze trotzten, wollten wir dann doch nicht aufgeben.

Mops_Bildmontage

Als wir es schon ziemlich verschwitzt endlich auf das Gelände geschafft hatten, verschlug es mir die Sprache. Der gesamte Platz war randvoll mit unzähligen gut gelaunten Leutchen aller Couleur. Ich schätze es müssen mindestens 400 gewesen sein. Dazwischen lagen, hopsten oder flitzten mindestens 200 Möpse aller Altersklassen und Farbnuancen. Schon jetzt musste ich mein Vorurteil über einen kurzatmigen, bewegungsschwachen Hund revidieren. Natürlich gab es auch solche Exemplare, sie waren aber deutlich in der Minderzahl. An den Seiten einige Stände mit Devotionalien für Mopsfreaks. Für zweibeinige Möpse und deren Anhang gab es Würstchen, sowie natürlich Getränke und Kuchen. Alle Stände waren schwer umlagert. Erwähnenswert war noch ein Wagen, bei dem man Eis erstehen konnte – und zwar speziell für Hunde. Die Idee war ein absoluter Renner, man konnte viele Möpse sehen, die ihre platte Schnauze tief in einen Eisbecher versenkten und ebenso genüsslich wie geräuschvoll diesen ausschleckten.

Mopstreffen2

Der Höhepunkt der Veranstaltung ließ allerdings auf sich warten. Für einen Wettbewerb, zu dem sich über hundert Teilnehmer gemeldet hatten, sollten nicht die größten oder schönsten Möpse gewählt werden, sondern die schnellsten. Hört. Hört. Nun traut ein Ottonormalverbraucher wie ich, keinem Mops zu, dass er überhaupt zügig laufen, geschweige denn schnell rennen kann. Und hier war doch glatt eine 50 m Bahn aufgebaut, auf der die armen Viecher bei 30 Grad Hitze einmal schnellstmöglich vom Start bis zum Ziel hecheln sollten. Für die Zeitmessung war eine hochmoderne Anlage mit Lichtschranke installiert, sogar ein Zielfoto war vorgesehen. Leider dauerte es einige Zeit, bis der rührige Moderator alle gemeldeten Teilnehmer samt Vierbeiner um sich versammeln konnte, um die Startplätze festzulegen. Offensichtlich hatten einige Hundebesitzer ob des wunderschönen Wetters, dem günstigen Bierangebot und den Leckereien vom Grill den ursprünglichen Sinn dieser Veranstaltung verdrängt. Als dann auch noch einige genervte Nachbarn die Polizei riefen, um Autos entfernen zu lassen und sich über die gewiss nicht lauten Durchsagen zu beschweren, geriet das Timing völlig aus dem Ruder. Der Veranstalter begann mir langsam leid zu tun.

Aber auch diese Unterbrechung nahm des Mopsvölkchen gelassen hin und mit geraumer Verspätung wurde zum Start geblasen. Die Massen versammelten sich in tiefer Vorfreude an der eingezäunten Rennbahn und jetzt erst sah man das geplante Procedere. Die Möpse sollten einzeln starten. Meist war Frauchen am Start positioniert, Herrchen hatte die Arschkarte, lief bis zur Hälfte der Strecke und versuchte nun seinen Rennmops dazu zu bewegen, ihm pfeilschnell bis zur Ziellinie zu folgen. Manche riefen den Namen, pfiffen, fuchtelten wild mit den Händen oder machten sich sonst irgendwie zum Kasper. Das Regelwerk ließ wohl alle erdenkbaren Möglichkeiten zu, sodass einige plötzlich sogar mit Leckerlies ihren Vierbeiner zum Laufen bewegen wollten. Und jetzt das wirklich unfassbare. Von einigen Möpsen mal abgesehen, denen es völlig Wurscht war, dass sich ihr Herrchen dort hinten zum Kasper machte und die sich lieber den netten Damen aus der hinteren Startreihe widmeten, gab es erstaunliche Laufleistungen. Manch kleine Kraftpakete fegten blitzschnell über die Piste und waren sogar noch vor ihrem Herrchen über die Ziellinie gerauscht, obwohl der ja etlichen Vorsprung hatte. Ich war schwer beeindruckt.

 

Nichtsdestotrotz waren inzwischen mindestens 2 Stunden bei brütender Hitze vergangen und wir stellten uns nach 3 Läufen die bange Frage, wie lange es wohl dauern würde, bis alle 100 Möpse ihren Parcours absolviert hätten? Die Antwort darauf schien uns derart unbegreiflich, dass wir nun beschlossen, den Event zu verlassen und nicht abzuwarten, bis der schnellste Mops seine furchtbar hässliche Siegertrophäe zwischen die Pfoten bekam. Abschliessend muss ich aber sagen, war die Veranstaltung wirklich sehr lustig und meine Ansichten über Möpse haben sich deutlich verändert. Vielleicht bin ich sogar bei der 8. internationalen Moostreffen wieder dabei. Trotzdem sind mir Möpse mit zwei Beinen … nein, das wird jetzt schlüpfrig und ich verliere schon wieder mein kaum vorhandenes Niveau. Schluss.


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