Ein schöner Anlass für einen Blick zurück

Wie schon in meinem Blogbeitrag im August 2015 angekündigt und von allen (zumindest von mir) lang erwartet, ist sie nun endlich erschienen: Die Neuauflage der Blackwater Park / Dirtbox als Vinyl und CD. Wer also musikalisch mal in alte Zeiten abtauchen möchte, dem bietet sich mit diesem Werk eine gute Gelegenheit. Damit ihr wieder ein Gefühl für diese Zeit bekommt, wie das alles in Berlin Wilmersdorf Anfang 1971 begann, hier noch einige Details aus dieser schönen Periode.

1971: Ein erfolgreicher Start

Drummer Norbert Kagelmann und Gitarrist Michael Fechner suchten damals für eine Bandneugründung einen Bassisten. Die beiden hatten sich den zu dieser Zeit gängigen, bombastischen Klassikrock übergehört, der von vielen Bands gespielt wurde. Ihr neues Ziel: bluesorientierter Hardrock.

In dieser Zeit wohnten beide in der grunewalder Villa des begnadeten Organisten Burkhard Plenge, die ein bekannter Anlaufpunkt für viele Musiker war. Man traf sich zum Quatschen und zum Jammen. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Mitglieder von Karthago, Twangy Gang, Modivation und vielen anderen gaben sich die Klinke in die Hand.  Auch die Klassikrockband Murphy Blend war dort ständig zu Gast, weil ihr Übungsraum ganz in der Nähe lag. Als sich Murphy Blend aufgrund musikalischer Differenzen auflöste, fragte mich Fechner, ob ich nicht Interesse hätte, bei Ihnen einzusteigen. Wir trafen uns, testeten nur wenige Stunden und Blackwater Park war aus der Taufe gehoben. Fortan arbeiteten wir intensiv an eigenen Songs, um ein komplettes Programm auf die Beine stellen zu können. Es folgten in dieser 3er Besetzung einige erfolgreiche Clubkonzerte in ganz Deutschland und ein bemerkenswertes Konzert auf dem Herzbergfestival im Juni 1971.

BWP-StartbildII

Der nächste Schritt

Etwa im August 1971 bot sich die einmalige Gelegenheit den Londoner Richie Routledge als Leadsänger und zweiten Gitarristen in die Formation einzubauen. Er hatte sich bei der berliner Band Twangy Gang nicht mehr wohl gefühlt und war auf der Suche nach Neuem. Blackwater Park zog sich zurück, überarbeitete das gesamte Repertoire und entwickelte mit Routledge viele neue Songs. Daraufhin gelang es dem Management JOWI Pressedienst einen Talentscout des damaligen BASF-Labels nach Berlin zu lotsen. Nach einem Besuch in unserem Übungsraum und auf einem Konzert war der Deal perfekt. In den Hamburger Windrose Studios entstand das Album Dirt Box im Dezember 1971. Hier eine Hörprobe (Mental Block – mit Burghard Plenge als Gast an der Hammond)

Leider war das Budget auf ganze 4 Studiotage begrenzt und es konnten Trotz der Unterstützung von Burkhard Plenge an den Keyboards nicht alle Ideen realisiert werden. Routledge war darüber derart frustriert, dass er von Hamburg aus dem Studio direkt nach London verschwand und nie wieder auftauchte.

Norbert Kagelmann verlor danach das Zutrauen in die weitere Entwicklung der Band und stieg ebenfalls aus. Michael Fechner und ich suchten sich in Berlin Ersatz und wurden relativ schnell fündig. Wieder halfen die Kontakte aus dem grunewalder Umfeld der Musikervilla von Burkhard Plenge. Aus dem Murphy Blend Nachlass stießen der Gitarrist Wolfgang Rumler und der Drummer Achim Schmidt zu uns. Als neuen Sänger engagierten wir einen bis dahin in der Szene weitestgehend unbekannten Felix Vietor. Der ganze Vorgang brauchte sowenig Zeit, dass die BASF die Blackwater Park Autogrammkarten gleich mit der neuen Besetzung realisierte.

AutogrammkarteMontage

 

Bild oben: Norbert Kagelmann
Bild unten: Felix, Wolfgang, Andreas, Norbert und Michael
Bild rechts, obere Reihe: Achim Schmidt/dr, Felix Vietor/voc, Michael Fechner/git, – untere Reihe: Wolfgang Rumler/git, voc, Andreas Scholz/b

Der Abgesang

Obwohl viele Clubkonzerte sehr erfolgreich in ganz Deutschland bestritten wurden und Blackwater Park auch auf einem großen Deutschrockfestival in der Berliner Waldbühne auftrat, konnte sich die BASF nicht entschließen, ihr Investment in die Gruppe zu erhöhen und den Plattenverkauf zu unterstützen. So verließ auch ich Blackwater Park 1973 nach einem Gig in Bremerhaven und verkaufte gleich mein gesamtes Equipment an die englische Band, die nach uns in dem Club gastierte. Kurz danach löste sich die Band komplett auf.

Michael Fechner spielte bis zu seinem frühen Tod im Herbst  2001 noch hier und da,  Achim Schmidt und Felix Vietor sind bis heute (2016) noch in unterschiedlichen Gruppen aktiv. Wolfgang Rumler widmete sich mehr der Technik und sorgte auf Veranstaltungen für den richtigen Ton. Was ich so treibe, sieht man ja hier. Und ich muss zugeben, mir juckt es in den Fingern. Wäre Michael noch unter uns, wir wären schon längst wieder BLACKWATER PARK.