Bergmannsstraßenfestalternative.

An einem Freitag, frühen Abend in Berlin. Das Bergmannstraßenfest läuft und ist ja eigentlich immer einen Besuch wert. Sitze noch zuhause und kämpfe mit mir, ob ich mich noch aufraffen kann, die heimischen 4 Wände zu verlassen. Dazu muss man wissen, dass draußen um diese Zeit, gegen 18:30 Uhr, noch immer eine Bullenhitze herrscht. So locker 28 Grad sind es immer noch auf der Uhr. Zweifel kommen auf. Ich schnappe mir meinen Laptop und studiere das heutige Bühnenprogramm der Veranstaltung. Mist, die Bands, die mich interessieren, spielen an dem Abend gerade nicht oder haben schon. Watt nu? Nur hin und beim dem Gedrängel in dieser Mörderhitze einen trinken? Caipi bei 28 Grad? Nee, eher nicht.

Plötzlich fällt mein Blick auf die Sponsoren und ich entdecke das Yorckschlösschen darunter. Eine Musikkneipe, so alt wie Berlin, eine Institution, quasi seit Jahrhunderten. Ich überlege kurz, wann ich das letzte Mal dort war und werde nicht fündig. Die Entscheidung ist gefallen. Das Yorckschlösschen liegt Gottseidank  etwas abseits von dem ganzen Bergmannstraßengetümmel, hat aber einen urigen Biergarten und natürlich auch Livemusik zu bieten. Genau der passende Ort, um an diesem heißen Abend noch etwas entspannt zu unternehmen. Ich schwinge mich euphorisiert zügig ins Auto und mache damit einen Fehler, den ich erst später bemerken werde.

GARTENlokal

Wer das Yorckschlösschen noch nicht kennt, dem sei zu einem Besuch geraten. Hier ist die Zeit stehen geblieben, ich glaube, der Laden ist seit seiner Eröffnung unverändert. Mit seiner Patina strahlt der Laden aber einen ganz besonderen Charme aus. Da er nicht groß ist, sitzt man bei Livekonzerten den Musikern fast auf dem Schoß. Das hat was. Meistens beginnen die Bands um 21 Uhr, auch für heute würde das so sein. Nun war ich schneller da als gedacht und somit gut eine Stunde zu früh. Schadet doch nichts, denke ich mir, bei dem Wetter setzt du dich in den Garten und freust dich des Lebens. Ich suche mir ein Plätzchen, von dem ich alles gut überblicken kann und bestelle ein Bier, ein köstlich süffiges Eigengebräu. Nach 20 Minuten ist das Bier plötzlich weg und ein leichter Trisel ist zu verspüren. Das macht wohl die enorme Hitze. Ich erliege allerdings dem flehenden Blick der ebenso netten wie jungen Bedienung und bestelle noch ein Bier. Vernünftigerweise aber auch einen kleinen Imbiss dazu, Scampispieß auf Salat. Ist ja noch ne halbe Stunde bis die Band beginnt.

Aus dem Haus klingen einige Laute in den Garten, die mich verunsichern. Die Musiker proben einige Takte ihrer Titel und stellen die Anlage ein. Es klingt zur Zeit so, als würde ihnen das nicht gelingen. Neugierig schlendere ich einmal unauffällig durch den Innenraum, vorne rein und durch die hintere Tür wieder in den Garten an meinen Platz. Außer dem Personal – und kurzfristig mir – sowie der Band kein Mensch drinnen. Ich genieße also noch mein zweites Bier und den köstlichen Scampispieß. Mittlerweile ist es 21:30 Uhr, ich bin leicht angeschossen und innen weder Livemusik noch Publikum. Doch bevor mich der Schlaf übermannt, gehts plötzlich los und mir wird mein anfangs erwähnter Fehler schlagartig klar.

Livemusik im Yorkschlösschen

Livemusik im Yorckschlösschen

 

Ich hatte mich zu sehr von der Location beeinflussen lassen und nicht, wie sonst üblich, mich über die angekündigte Band informiert. Der merkwürdige Klang beim Einspielen resultierte also nicht daraus, dass die Anlage noch nicht richtig eingestellt war, sondern die Kapelle soll so klingen. Tja, dumm gelaufen. Nach zwei Titeln gebe ich frustriert auf. Obwohl mittlerweile eine handvoll Fans der Band den Raum eingeschränkt befüllen, verlasse ich das Etablissement schwer enttäuscht aber leicht angetütert.

Fazit: Das Yorckschlösschen ist trotzdem ein guter Tipp für Leute, die Livemusik mögen, ein günstiges, bodenständiges Essen, leckeres Bier und ein kultiges Ambiente schätzen. Ein vorheriger Blick, ob das Musikprogramm den eigenen Geschmack trifft, ist aber zu empfehlen. Guts Nächtle.

Comments
  • Achim
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    Wo ist der Link zum Programm? 😉

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