Was braucht eine junge Bedienung für den Umgang mit einem Haufen alter Säcke?

Schlagfertigkeit? Dickes Fell? Viel Humor?

Ach, watt haben wir Spaß. Stammtisch von ausgedienten Fußballern (Ich gehe auf diese Einrichtung an anderer Stelle noch detaillierter ein). Eine wunderbare Runde älterer Jungs, die sich seit über 40 Jahren kennen, treffen sich jeden Mittwoch, um den Kontakt nicht einschlafen zu lassen. Man schaut zusammen Fußball – irgendein Spiel gibts ja immer – oder diskutiert die Weltgeschichte. Man trinkt was, lacht, verarscht sich gegenseitig und gibt gerne Bestellungen auf. Weil, dann kommt was Blondes auf uns zu. Natürlich wesentlich jünger, ausgesprochen hübsch und wohl proportioniert – aber: Nicht auf den Kopf gefallen und gefährlich schlagfertig. Je später der Abend, desto verwegener unsere Sprüche, manchmal auch mehr oder weniger leicht unter die Gürtellinie, was uns mit leicht angetütertem Suffkopp unendlichen Spaß bereitet. Wie aber geht die Bedienung damit um? Steckt sie was weg (haha) oder istNicole_2292 sie befremdet? Rein äußerlich merkt man ihr nichts an. Aber wie es unter der Oberfläche aussieht, würde ich gerne erfahren. Also denke ich mir ein paar Fragen aus und verabrede mich um 15 Uhr mit ihr.

14.55 Uhr die erste Whats App-Nachricht von ihr: Ihr Navi hat mit ihr gesprochen und ihr mitgeteilt, sie könne erst 15 Minuten später da sein. (Das muss ich lobenswert deshalb erwähnen, weil ich Mädels kenne, bei denen sogar 30 Minuten Verspätung noch nicht mal ein schlechtes Gewissen auslösen)
15.21 Uhr die nächste Nachricht: Warum macht keiner auf?
15.21 Uhr: Gibt es eine Gesichtskontrolle, dass ich nicht reinkomme?
15.22 Uhr: Hallooo?
15.23 Uhr: Bitte
15.23 Uhr: Asyl
Ich überlege warum das Mädel nicht einfach klingelt?

Mein Handy läutet. „Bitte macht mir doch auf!!!“
Hä? Also, watt soll ich sagen? Unsere Türklingel war kaputt und die Arme stand die ganze Zeit vor der Tür. Gottseidank war es angenehm warm draußen und es sind keine bleibenden Schäden zurück geblieben. Ich kenne Zeitgenossen, die hätten sich nicht die Mühe, sondern sich wutschnaubend aus dem Staub gemacht. Eins rauf mit Mappe und Frühstück. Merci Cherie.

Nun sitzt sie also vor mir, strahlt mich selbstbewusst an und ich lege los.

  • Bist du für diesen Job geboren?
    Ich vermute. Ich habe schon während der Ausbildung immer parallel in der Gastronomie gejobbt und später meinen Bürojob deshalb gekündigt. Mir macht der Umgang mit Menschen einfach Spaß und ich glaube, ich habe das inzwischen gut drauf. Gläser auf den Tisch stellen kann eigentlich jeder, aber erst wenn du eine Wohlfühlatmosphäre beim Gast erreichst, kannst du wirklich mit dir zufrieden sein.
  • Gibt es bei Gruppen Unterschiede zwischen jungen und älteren Männern im Verhalten?
    Ich finde die Älteren umgänglicher und deshalb ist es für mich unkomplizierter. Die haben ihre Frauen zuhause und kommen nur, um sich miteinander zu amüsieren. Die gute Laune ist da Programm.
  • Und wenn sie angetrunken sind? Ist dir das unangenehm?
    Ach nee. Damit kann ich gut umgehen. Meistens werden sie dann locker und es ist sehr lustig. Selbst frivole Sprüche kann ich ganz gut parieren. Zu sensibel darf man in der Gastro sowieso nicht sein. Ich entschärfe viele Situationen am ehesten mit Humor und wenn es nötig wäre, könnte ich mit dem Tablett beim Servieren auch eine erforderliche Distanz schaffen.
  • Und der Flirtfaktor?
    Ist da, klar! Wer freut sich nicht über Komplimente? Und die kommen von Älteren auch irgendwie authentischer rüber. Und wenn ich manchmal etwas zurückschleime, wird das auch gerne gehört, oder?

Tja, so wars. Als sie weg ist, fällt mir noch eine Frage ein, die ich vergessen hatte zu stellen. Mich würde interessieren, wie viele Witze sie sich eigentlich so merken kann. Gefühlt so um die tausend, schätze ich. Vielleicht erfahre ich es ja noch eines Tages, spätestens aber nächsten Mittwoch.

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