Grillgut_23767328_SNicht nur das Wetter lädt zum Grillen ein. Gott sei Dank kommen auch Freunde und Bekannte auf die gleiche Idee. Da ich leider von Hause aus nicht mit dem nötigen Umfeld ausgestattet bin, um entsprechende Einladungen auszusprechen, freue ich mich immer entsprechend tierisch darüber. Vor dem geistigen Auge tauchen die ersten Visionen auf: Sonne, ein schöner Garten, entspannt genießt man ein leckeres Stück Fleisch von einem (ehemals) glücklichen Rind, dazu ein eiskaltes Getränk. Eine interessante Unterhaltung lässt dem Magen Zeit zum Verdauen, später vielleicht nochmal was frisch vom Grill. Einfach super. Die Vorfreude eskaliert.

In einigen Fällen sieht die Realität leider ganz anders aus. Noch sind nicht alle Gäste eingetroffen, aber der Grill ist schon auf Hochtouren, der Grillmeister in seinem Element. In einer surrealen Mischung aus Großzügigkeit und Diskjockey wird aufgelegt, was das Zeug hält – oder besser, was der Kühlschrank hergibt. Berge von eingelegten Nackensteaks bevölkern bald den Grill und lösen erste Flammenwände aus. Schon wird das erste der wenigen gut gekühlten Biere zum Löschen missbraucht. Die erste Ladung ist wirklich sehr gut durch und wird bereits auf einem Teller zu dicken Lagen gestapelt. Schon ist der Rost ein zweites Mal gründlich bis an die Kante belegt. „Wer möchte ein Würstchen?“ hallt eine Frage euphorisch durch den Garten. Toll, die Nackensteaks sind fertig und jetzt soll ich mir mit einem Würstchen den Appetit verderben? Die Frage bleibt unbeantwortet, war offensichtlich auch rethorisch gemeint. Die zweite Lage vom Grill wandert jetzt ebenfalls auf den Ablageteller und sorgt dafür, dass die ersten Steaks wieder leicht erwärmt werden. Man freut sich mit ihnen.

„Wer möchte noch ein Würstchen?“ Wieder findet diese Rethorik in der Gästerunde trotz leichter Abwandlung kein Gehör. Obwohl die Frage keine erkennbare Begeisterung bei den Gästen ausgelöst hatte, müssen sich die vielen Putensteaks den Grill nun mit einigen Dutzend Würstchen teilen. Mittlerweile verdrängt das laute Magenknurren der inzwischen vollständigen Gästerunde das appetitanregende Knistern, das bis vor Kurzem noch vom Grill zu vernehmen war. Beim erneuten Übertrag des geschwärzten Grillgutes auf den Sammelteller, versuchen einige Würstchen sich durch die Flucht auf den Rasen dem Verzehr zu entziehen. Vergeblich. Schon hatte sich Lumpi, der braunweiße Mischlingsrüde aus Dackel und Wasweißichwas, auf eine Sondermahlzeit vorbereitet, waren die Ausreißer auch schon wieder eingefangen und auf dem Auskühlteller abgelegt.

Ich schaue in die Runde, zähle die Gäste und das bereits fertig gestellte Grillgut. Es entsteht ein eindeutiges Missverhältnis zu Gunsten des Fleisches. Meine Frage ob noch die eine oder andere Hundertschaft der Polizei zum Essen erwartet würde, verhallt ebenso ungehört, wie die zuvor gestellte Würstchen-Frage des Hausherren. Ich kapituliere ob der wirklich gut gemeinten Aktion und sichere mir schnell ein Würstchen direkt vom Grill, bevor es auf der Ablage zum Auskühlen abgelegt werden kann.

Nun mal die Frage an die, die sich betroffen fühlen. Warum muss man sich beim Grillen so auf die Plautze geben? Man ist in einem Restaurant doch auch nicht 3 Nackensteaks und 2 Würstchen zuzüglich Kartoffel-, Nudelsalat und einem Kräuterbaguette. Und warum alles auf einmal? Es wäre so viel entspannter, in Ruhe nacheinander mit entsprechenden Pausen etwas auf Wunsch essen zu können. Zugegeben, die Arbeit für den Grillmeister wäre etwas zeitaufwendiger, es sei denn, er hätte den Mut seinen Platz am Grill auch mal für andere frei zu machen. Dann könnte sich jeder dann etwas grillen, wenn er wieder Appetit bekommt und…. jetzt komme ich doch etwas ins Schwärmen. Tschuldigung. Da sich Einladungen zum Grill für mich in absehbarer Zukunft wahrscheinlich sowieso erledigt haben, muss ich mir darüber auch keine Gedanken mehr machen.

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