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Sylt

Der Hoffnung auf ein erholsames, langes Wochenende auf Sylt wurde durch die Wettervorhersage ein jähes Ende bereitet. Aber gebucht ist gebucht und die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine Verschiebung war auch nicht möglich, da wir eine Ausstellung einer Freundin (Daniela Schur/Leuchttürme) besuchen wollten, die just an diesem Freitag beendet wurde. Also freitagmorgen früh raus aus dem Bett und ab zum Hauptbahnhof, wo unser Zug (mit uns) pünktlich abhob. Bei den ständigen Defizitmeldungen der Bahn sollte man es nicht glauben, aber der Zug war rappelvoll und die Platzreservierung hatte sich spätestens jetzt als wirklich sinnvoll erwiesen. Landschaftlich ist die Bahnstrecke von Berlin nach Sylt eher etwas eintönig, man sollte sich also mit aktuellem Zeitungsmaterial oder einem Buch darauf vorbereiten. Keinesfalls sollte man glauben, sich mit einem Smartphone oder Tablet während der Fahrt dauerhaft ins Internet einloggen zu können.

Der Freitag

Die Ankunft in Westerland war pünktlich und siehe da, das Wetter war besser als vorausgesagt. Sonnig, aber kühl und sehr, sehr windig. Sehr windig auf Sylt heißt soviel wie als stünde man direkt vor einem Airbus Triebwerk, nur nicht ganz so laut. Bei etwas Glück liegt das Ziel in Windrichtung, wenn nicht, kann es mega anstrengend werden. Unser Pech war, dass wir kein Glück hatten. Also kämpften wir uns gegen den Wind durch die Fußgängerzone in Westerland zum Strand vor, da sich dort die Galerie mit der Ausstellung befinden sollte. Nun kann auf Sylt nicht einfach von der Straße auf die Strandpromenade wechseln wie ich dachte, nein – man muss erstmal eine Gebühr bezahlen. Selbst nur mal gucken war nicht erlaubt. Es hätte ja sein können, dass die Galerie garnicht dort war, wo wir vermuteten. Also Eintritt zahlen, um zu gucken. Diesmal hatten wir mehr Glück, denn die Galerie war wirklich direkt dort an der Strandpromenade und wir kamen gerade noch rechtzeitig, kurz bevor alles abgebaut wurde. Anschließend – jetzt mit Rückenwind – zurück durch die wirklich schöne Fußgängerzone und dann mit der Taxe die ca. 4 Kilometer zum Hotel nach Wenningstedt.

Strand Hotel Lindner, Wenningstedt/Sylt

Strand Hotel Lindner, Wenningstedt/Sylt

Das  Strand Hotel Lindner macht seinem Namen alle Ehre, da es wirklich nur durch eine schmale Straße vom Strand getrennt ist. Das Haupthaus ist mit seinen 3 Etagen angenehm übersichtlich, hat einen brauchbaren Wellnessbereich im Keller, mit hübschem Schwimmbad, mehreren Saunen und einem, allerdings winzigen Fitnessraum (1 Fahrrad, 1 Stepper). Bemerkenswert fanden wir das Frühstücksbuffet, umfangreich, sehr vielseitig, alles frisch und ausgesprochen lecker. Gratis und zur freien Verfügung (glasweise : ) standen mehrere Sektflaschen in einem Eiskübel bereit. Noch erwähnenswert das überaus freundliche und hilfsbereite Personal, sowohl am Empfang als auch in der gemütlichen Bar, in der neben köstlichen Cocktails – zu meiner heimlichen Freude – auch Bundesliga über SKY geboten wurde. Ein weiterer Pluspunkt: Nur 5 Gehminuten entfernt erreichte man ein Gosch Restaurant –damit war unser Nahrungsbedarf für den Rest des Urlaubs gesichert.

Eigentlich hatten wir vor, uns an diesem Wochenende sportlich effektiv unserer Gesundheit zu widmen. Also erstens: lange Strandspaziergänge. Zweitens: mit dem Fahrrad die Insel erkunden und drittens: mit leichten Fischgerichten sich vorsichtig wieder dem Idealgewicht nähern.  Es kam dann alles doch etwas anders als geplant. Einen Strandspaziergang mussten wir nach 5 Minuten abbrechen, weil wir bis dahinaus kaum einen Meter voran gekommen waren. Der heftige Wind, also eigentlich ein richtiger  Sturm, war so intensiv, dass uns zwar der gesamte Sandstrand in Kopfhöhe entgegen kam, wir aber nicht zum Strand kamen. Da diese Witterungsbedingungen natürlich auch keine Fahrradtour zuließen, gingen wir gleich zu Punkt 3 unseres Vorhabens über, was uns ohne Schwierigkeiten auf Anhieb gelang.

Der Samstag

Er begann leider doch wie vorausgesagt. Wolkig, kühl, regnerisch und wieder sehr stürmisch. Also kein Strandspaziergang, keine Fahrradtour. Die Empfehlung des freundlichen Personals am Empfang: ein Smart für 35 Euro am Tag. Fahrbereit auf dem Hotelparkplatz und nach kurzer Bearbeitungszeit für uns zur Verfügung. Also Fitnesstouren erstmal aufgeschoben und doch wieder bequem und trocken als Alternative gewählt. So gegen späten Mittag waren wir in der Kupferkanne verabredet, eine Institution auf der Insel. Wunderschön gelegen und bestens geeignet eine Kaffeepause einzulegen, um den berühmten Blechkuchen zu kosten. Leider ließ es das Wetter nicht zu, sich in den traumhaften Garten zu setzen, aber auch das verwinkelte Innere dieser besonderen Architektur hat was Außergewöhnliches. Ein Besuch lohnt also nicht nur wegen des Kuchens. Den Rest des Samstags donnerten wir mit dem Smart bei Sturm und Regen von einem Ende der Insel (Hörnom) zum anderen (List). Hier konnten wir in einer Regenpause auch einen Blick auf eine der berühmten Seehundsbänke werfen, die sonst nur mit aufwendigen Kutterfahrten zu erreichen sind. Der Anblick der vielen kleinen süßen Seehunde brachte mich zum heulen (daraus wird übrigens die Bezeichnung für junge Seehunde abgeleitet).

Seehunde

Der Sonntag

Wieder erwarten sehr brauchbares Wetter, immer noch etwas windig, aber sonnig. Nach dem köstlichen Frühstück war aus-checken angesagt. Da unser Zug erst um 15:30 ging, mieteten wir den Smart noch für einen weiteren Tag. Die tolle Nachricht: Wir konnten den Smart gleich am Bahnhof abgeben und hatten somit das Mietauto quasi durch die entfallenen Taxikosten vom Hotel zum Bahnhof finanziert. Meine liebenswerte Lebenspartnerin wollte an diesem Tag noch unbedingt ihre Jugenderinnerungen auffrischen. Genauer gesagt, sie wollte Krabben pulen. Das ist in der heutigen Zeit leider nicht mehr so einfach. Also auf zu einem Hafen, hier war List wieder am nächsten dran, da wir zwischendurch unsere Inseltour am Roten Kliff gestoppt hatten. Das Zeugs gibt es dort selbst bei Gosch nur noch mit Konservierungsstoffen fertig geschält, also nix mehr Natur pur. Da fällt uns unweit vom Lister Hafen ein Schild auf: Frische Krabben zu verkaufen. Wir also hin zu einem unscheinbaren, etwas verwildert aussehendem, kleinen Häuschen, wieder mit einem selbstgemaltem Schild „Krabben zu verkaufen, bitte lange klingeln“. Gelesen, getan.

Paul Walter, einer der letzten verbliebenen Krabbenfischer, öffnete uns die Tür. Und natürlich hatte er noch genügend fangfrische Krabben in seiner Kühltruhe. Er genoss sichtlich unser bestimmt seltenes Interesse an seinem Fang und sparte nicht mit Wissenswertem über sein Metier und diversen Anekdötchen, während er uns zwei volle Becher Krabben abfüllte. Dieser kurze Besuch zeigte uns überdeutlich, dass dieses Gewerbe in dieser  traditionellen Form eigentlich nur noch für touristische Zwecke taugt, seinen Lebensunterhalt mit dem Krabbenfang kann er nicht mehr bestreiten. Und so vermietet er eben wie die meisten anderen auch Ferienwohnungen. Wer sich dafür interessiert, kann sich das im Internet mal anschauen. Die Krabben jedenfalls sind wirklich köstlich. Aber dazu gleich mehr. Unsere Zeit auf Sylt war jetzt abgelaufen. Die Wagenübergabe verlief problemlos, ebenso wie die Rückfahrt mit der Bahn. Auch dieser Zug war übervoll und nicht wenige mussten im Gang stehen bleiben, weil alle Plätze belegt waren. Also nochmal, Plätze reservieren lohnt sich wirklich.

Gnadenlos

Nach etwa 5stündiger Fahrt waren wir wieder in Berlin, inzwischen zeigte die Uhr 21:30. Doch wie Frauen manchmal so sind, wenn sie sich was in den Kopf gesetzt haben, kommt man nicht gegen an. Im Klartext: Noch im Bahnhof kaufte ich zwei frische Brötchen, weil für heute noch Krabben pulen angesagt war. Eisen werden geschmiedet, wenn sie noch heiß sind und für Krabben gilt: sie werden gepult, solange sie noch frisch sind.

Krabbenpulen

Und ich muss zugeben, es hat einen Höllenspaß gemacht. Fast in nullkommanichts hatten wir uns zwei reichliche Portionen gepult und genossen unsere frischen Krabben auf Brötchen und ein Gläschen Wein. Obwohl es in der Wohnung mittlerweile roch, als wäre man noch an Bord eines Krabbenkutters, war das wirklich ein später, aber wahrhaft köstlicher Abschluss eines gelungenen Wochenendausflugs.

 

 

Showing 3 comments
  • Yoorek
    Antworten

    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass es bei mir zieht. Ich muss gleich nachschauen…

  • BODO
    Antworten

    Sorry,lange nicht mehr in den Altersblock geschaut. Nicht nur der Bericht über unseren alten Felix mit Freude gelesen

    sondern der Sylt-Beitrag für mich als Sylt -Fan sehr gut . Ich hoffe es wird nicht wieder solange dauern ehe Ihr Euch

    wieder nach Sylt aufmacht . Tip : statt langweiliger Bahnfahrt Flug von TXL nach Westerland mit Air Berlin.Wir sind

    schon für 130 € zu zweit hin + zurück geflogen ! Für Tips auf + um Sylt einfach fragen .

    • Andreas
      Antworten

      Ach ich freue mich, dass sich hin- und wieder doch jemand traut, einen Kommentar zu schreiben. Ich wünschte, es könnten sich mehr dazu aufraffen. Und wie man sieht, gibt es sogar sinnvolle Anregungen. Vielen Dank an Bodo

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